19. März

Dortmunder Beschäftigte der Sozialen Arbeit schlagen Alarm

19.03.2024
Soziale Arbeit

Wer hilft noch, bevor das Kind in den Brunnen fällt?

Dortmunder Beschäftigte der Sozialen Arbeit schlagen Alarm

Kaum einer schaut hin, welche Arbeit die Kolleginnen und Kollegen in der Jugendhilfe täglich leisten. Ihre Aufgaben sind vielfältig. Sie stehen den Eltern, Jugendlichen und Kindern mit Rat und Tat zur Seite und sollen dafür sorgen, dass sowohl die Kinder und Jugendlichen als auch die Sorgeberechtigten ein gelingendes Leben führen können. In den Fokus der Öffentlichkeit geraten sie erst, wenn das Kind bereits sprichwörtlich in den Brunnen gefallen ist. Um auf ihre dramatischen Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen, beteiligen sich am internationalen Tag der Sozialen Arbeit (19.3.) auch Beschäftigte des Jugendhilfedienstes Dortmund an einem landesweiten ver.di Aktionstag.

Zwischen 16 und 18 Uhr am Dienstag, den 19. März treffen sich Kolleg*innen im Rahmen eines Aktions- und Kampagnenstandes auf dem Platz vor dem Kundencenter der DSW21 auf der Kampstraße.

Die Arbeit in den Jugendämtern wird seit Jahren zunehmend schwieriger und belastender. Und das unter häufig problematischen Rahmenbedingungen, so der Gewerkschaftssekretär David Staercke von ver.di. „Kein Wunder, dass gerade im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD), aber auch in der übrigen Jugendhilfe eine hohe Fluktuation herrscht. Das bedeutet, dass immer wieder neue Beschäftigte eingearbeitet werden müssen, wofür die Zeit fehlt. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Fälle und deren Komplexität“, betont Staercke am Montag in Dortmund. Dadurch wachse die psychische Belastung stetig. Fachkräftemangel, erhöhte Anforderungen, schwierige Fälle sind nur einige Aspekte, die die Arbeit, aber auch die Gesundheit der Beschäftigten beeinträchtigen.

Zuletzt zeigte der DAK-Psychreport 2024, dass die Arbeitsfelder Kita und Sozialarbeit mit 534 Fehltagen auf je 100 Versicherte die traurige Statistik anführen, während der Durchschnitt bei 323 Fehltagen je 100 DAK-Versicherten liegt. Um die ganzheitliche Kinder- und Jugendhilfearbeit gewährleisten zu können, müssten die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Dabei reiche die Kette der Hilfen von Jugendfreizeiteinrichtungen bis zu den Kindernotdiensten und damit von der Prävention bis hin zur Unterbringung von schutzbedürftigen Kindern.

„Der Mangel an Fachkräften ist seit Jahren bekannt. Um die Beschäftigten langfristig zu halten und neue Kolleginnen und Kollegen einarbeiten zu können, fordern wir als ver.di schnelle Lösungen. Dabei bedarf es ordentlichen Einarbeitungskonzepten, mehr Supervisionen und weniger Bürokratie, um mehr Zeit für die Beziehungsarbeit zu haben,“ so der Gewerkschaftssekretär. Gleichzeitig fordere ver.di aber auch, die Ausbildungskapazitäten auszubauen. „Es braucht dringend mehr Studienplätze an den Hochschulen, zeitgleich müssen die Kommunen als Arbeitgeber attraktiver für Berufseinsteiger werden.